Entstehung von Tornados

In nahezu allen Gegenden der Erde können sich im Bereich kräftiger Schauer und Gewitter Tornados bilden, die in den USA auch TWISTER (amerikan. Twist = drehen) und in Mitteleuropa vor allem in den Medien teilweise immer noch Windhose oder Trombe genannt werden. Gemeint ist aber in allen Fällen dasselbe, mittelfristig dürfte sich der amerikanische Begriff Tornado durchsetzen.

Im Gegensatz zu den tropischen Wirbelstürmen bilden sich Tornados über Land oder über Wasser, wo sie oft als Wasserhosen bezeichnet werden. Ihre horizontale Ausdehnung beträgt nur etwa 10 bis zu 1000 Meter, manchmal auch noch darüber. Im allgemeinen liegt die Lebensdauer von Tornados nur bei wenigen Minuten, und die Zugbahn erstreckt sich über wenige Kilometer. Vor allem in den USA kommen aber auch Wirbel vor, die einige Stunden lang über mehrere Bundesstaaten hinwegziehen. Das Kennzeichen eines Tornados ist der rüsselförmige Schlauch. Wo er den Boden berührt, bringt er teilweise völlige Zerstörung. Die durchschnittliche Zuggeschwindigkeit liegt bei etwa 50 km/h. Der Wirbel kann aber auch stillstehen oder sich mit deutlich höherer Geschwindigkeit fortbewegen.

In den USA sind Tornados am besten untersucht, da sie hier am häufigsten auftreten. In der sogenannten "Tornado Alley" im Mittleren Westen kommen sie besonders im Frühjahr fast täglich irgendwo vor. Zwischen 1916 und 1950 wurden durchschnittlich 150 Tornados im Jahr registriert. Im Mittel fanden pro Jahr 245 Menschen durch Tornados den Tod. Inzwischen sehen die Zahlen allerdings ganz anders aus: Die mittlere Zahl der Todesopfer liegt unter 100, obwohl jedes Jahr um die 1000 Wirbelstürme beobachtet werden. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist das Thema hochbrisant und die Beobachtungssysteme werden immer besser, daher auch die höhere Zahl der Tornados. Zum anderen können heutzutage durch Radargeräte und die so genannten Tornadojäger, die meist in ihrer Freizeit nach Tornadoschläuchen Ausschau halten, immer bessere Warnungen über Rundfunk und Fernsehen verbreitet werden. Dazu kommt noch, dass durch den Bevölkerungszuwachs immer mehr Tornados bebachtet werden.

Die Entstehung eines Tornados ist recht komplex. Hauptvoraussetzung ist feuchtwarme Luft, die in den USA häufig vom Golf von Mexiko nach Norden strömt. Im Aufwindbereich eines Gewitters kann sich der eng begrenzte Wirbel bilden, der manchmal die starken Zerstörungen anrichtet.

Die Windgeschwindigkeiten im Tornadowirbel sind mit herkömmlichen Instrumenten nicht mehr messbar. Schätzungen und Versuche im Windkanal ergeben Werte von zum Teil mehr als 500 Kilometer pro Stunde, auch im Bereich des Oklahoma-Tornados im Mai 1999 wurden mit Dopplerradar Geschwindigkeiten über 500 km/h festgestellt. Ungeklärt sind die Druckverhältnisse im Tornadoschlauch. Der sehr schnelle, momentane Druckabfall wird von Barographen nur ungenau oder gar nicht registriert. Anders als im bekannten Kinofilm "Twister" ist es in der Realität bislang nicht gelungen, Messwerte aus dem Inneren eines Tornados zu erhalten. Umherfliegende Trümmer wie Autos, Trucks und zerlegte Häuser werden zudem zu äusserst gefährlichen Geschossen. Die unglaublichen Windgeschwindigkeiten lassen dabei im Extremfall sogar Strohhalme in Stahlplatten hineinschießen!

In Mitteleuropa verhindern Gebirge wie die Alpen meist, dass solch extrem feuchte und warme Luftmassen direkt nach Deutschland gelangen. Daher sind starke Tornados der höchsten Tornadostufen hier selten, doch kommen sie häufiger vor als man denkt und sorgen dann für zum Teil enorme Schäden, so in Pforzheim im Jahr 1968, in Kiel 1973, in Düsseldorf 1989, südlich von Neumünster 1993 oder im Juni 2002 in der Lutherstadt Wittenberg sowie im Jahre 2004 in Micheln (Sachsen-Anhalt) und in Nordrhein-Westfalen. Eine Besonderheit der europäischen Tornados gegenüber den Twisters in den USA ist eine wichtige Enstehungsart mit höhenkalter Luft hinter einer Kaltfront und gleichzeitiger starker vertikaler Windscherung, der wohl wichtigsten Voraussetzung für die Tornadoentstehung. Solche Tornados können auch mitten im Herbst oder Winter entstehen, wie zum Beispiel in Kirchhain in Hessen am 03. November 2003. In höheren Luftschichten gelangte in diesem Fall Kaltluft nach Mitteleuropa, es bildeten sich zahlreiche Schauer und Gewitter. Im Bereich kleiner Täler mit Süd-/Nordausrichtung war der Unterschied zwischen bodennah schwachem südlichen Wind sowie starkem Höhenwind im Bereich von 1,5 bis etwa 3 Kilometer enorm groß

Im langjährigen Mittel wurden nach Angaben von TorDACH seit dem Ende des 19. Jahrhunderts etwa 10 Tornados pro Jahr in Deutschland beobachtet. Inzwischen hat sich aber herausgestellt, dass diese Zahl nicht der Realität entspricht. Durch die Bevölkerungsentwicklung, zunehmende Sensibilisierung der Menschen und weitergehende Forschung in diesem Bereich kann man nun von mindestens 20 bis 30 Tornados pro Jahr ausgehen. Zudem tauchen immer mehr Fotos und Berichte über Tornados aus den vergangenen Jahren auf. Mit diesen neuen Daten wird die tatsächlich deutlich höhere Zahl an deutschen Tornados sicherlich bald Bestätigung finden.

Thomas Sävert, 05.11.2003


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