| Tornado Reutlingen | von Thomas Sävert |
![]() ![]() Tornado in Reutlingen ![]() Leichte Schäden an Bäumen Sehr viel mehr finden Sie auf einer weiteren Seite mit Fotos vom Tornado in Reutlingen. | Tornado in Reutlingen 09. Mai 2003: Der 09. Mai 2003 dürfte wohl in die Geschichte der Tornadoforschung in Mitteleuropa eingehen. Denn an diesem Tag bildete sich im Norden von Reutlingen in Baden-Württemberg ein Tornado, der gleich von mehreren Menschen gefilmt und fotografiert werden konnte. Zwar wurden auch von dem Tornado in der Lutherstadt Wittenberg im Sommer 2002 zufällig Aufnahmen gemacht, noch nie konnte aber ein Tornado so gut dokumentiert werden wie diesmal in Reutlingen. Die Nachricht von dem Tornado verbreitete sich in Fachkreisen wie ein Lauffeuer und am Abend gab es bereits erste Aufnahmen im Fernsehen. Glücklicherweise wurde bei dem Tornado niemand verletzt und es gab keine größeren Schäden. Was ist nun passiert? Um 16:55 Uhr MESZ bildete sich im Bereich Walddorfhäslach und Rübgarten der Schlauch unterhalb einer Gewitterwolke aus. Anders als noch vor 10 oder 20 Jahren haben heutzutage viele Menschen ihre Kamera schnell zur Hand und das Interesse an extremen Wetterphänomenen wie starke Gewitter und sogar Tornados ist wesentlich größer als früher. So beobachtete auch Helmut Gaiser in Walddorf die ungewöhnlichen Wolkenformationen, die sich allmählich organisierten. Die Videokamera war schnell zur Hand. Ebenso erging es Jochen Heusel, der den Tornado aus Reutlingen-Oferdingen filmte. Aus seinem Video werden hier zahlreiche Fotos präsentiert. Und zum ersten Mal konnte auch ein Stormchaser einen Tornado in Deutschland filmen: Marco Kaschuba verfolgte das Gewitter, als sich der Tornado bildete. Sein Bericht ist weiter unten verlinkt. Der Tornadoschlauch war etwa 70 Sekunden lang sichtbar. In dieser Zeit zog er glücklicherweise über unbewohntes Gebiet im Schönbuchrand. Dazu eine Karte aus der Region am Neckar (ca. 200 KB) vom Bundesamt für Kartographie und Geodäsie, auf der die betreffenden Orte im Norden von Reutlingen zu erkennen sind. Der Tornadoschlauch bildete sich innerhalb weniger Minuten aus und hatte nach den vorliegenden Daten mindestens zweimal für kurze Zeit Bodenkontakt. Im Gewann »Nonnenhäule«, südlich der Landesstraße nach Dettenhausen, hat der Wind Äste und einige Baumwipfel abgeknickt. Die Gräser der Wiesen waren in einer meterbreiten nordöstlichen Spur geplättet und zwei Obstbäume sahen aus, als hätte man sie wie eine Glühbirne aus ihrem Stamm herausgedreht (Quelle: GEA). |
![]() ![]() Tornado in Reutlingen |
Links zum Tornado in Reutlingen: Hier möchte ich nur einige Links zu den damaligen Tromben/Wasserhosen aufführen. Sollten Sie noch eine interessante Seite zum Thema betreiben oder finden, senden Sie einfach eine kurze Mail. Miniclip vom Reutlinger Tornado (Helmut Gaiser) (WZ-Forum) Bericht von Marco Kaschuba (WZ-Forum) Bericht von Martin Hubrig (WZ-Forum) Analysebericht (PDF ca.600 kB) von Marco Kaschuba Radarfilm des DLR Weitere Links zu Tornados: Tornadoseite von Thomas Sävert TorDACH Deutschland Homepage von Marco Kaschuba |
![]() Höhenkarte 08.05.2003 00 UTC(WZ) ![]() Bodenkarte 08.05.2003 00 UTC(WZ) ![]() Bodenkarte 09.05.2003 00 UTC(WZ) ![]() Bodenkarte 10.05.2003 00 UTC(WZ) |
Mehr zur Wetterlage im Mai 2003: Die Karten links zeigen die Entwicklung der Wetterlage vom 08. bis 10. Mai 2003. Bodennah baute sich am 07./08. Mai über dem nordöstlichen Mitteleuropa ein schwaches Hoch auf, das sich langsam nach Osten verlagerte. Gleichzeitig verstärkte sich nordwestlich von Schottland ein für die Jahreszeit recht kräftiges Sturmtief. Über der Iberischen Halbinsel hielt sich noch ein altes Tief, das vor allem in höheren Schichten der Atmosphäre ausgeprägt war. An der Vorderseite der beiden Systeme - das Sturmtief bei Schottland und das Höhentief über Spanien - setzt sich feuchtwarme, subtropische Luft nordwärts in Bewegung. In der warmen Luft stiegen die Temperaturen am Nachmittag des 08. Mai in Teilen Bayerns bis etwa 30 Grad und selbst in Berlin wurdne noch Höchstwerte bis 28 Grad gemessen. In der Nacht zum Freitag, den 09. Mai, drang die Kaltfront des von Schottland nach Norwegen ziehenden Tiefs nach Norddeutschland ein, sie erreichte bis zum Morgen auch den Süden Deutschlands. Hier wurde die wärmste Luft rasch nach Osten abgedrängt, dochhielt sich nach Abzug der Kaltfront mäßig warme und recht feuchte Luft. In höheren Schichten machte sich nun deutlich kältere Luft bemerkbar, es waren damit günstige Bedingungen für kräftige Schauer und Gewitter gegeben. Bereits am frühen Nachmittag des 09. Mai bildeten sich über der Schwäbischen Alb erste kräftige Gewitter, die sich dann rasch auf weite Teile Süddeutschlands ausbreiteten. Die Wetterstation in Tuttlingen meldete in einem solchen Gewitter zwischen 15 und 16 Uhr eine Regenmenge von 10,3 Liter pro Quadratmeter innerhalb von nur 30 Minuten, insgesamt fiel hier am 09. Mai mit 58 Litern die höchste Tagesmenge Deutschlands. Weiter nördlich in Reutlingen entstand dann wenig später der oben beschriebene Tornado. Links sehen Sie die Karten der Wetterzentrale vom 08. bis zum 10. Mai 2003, 00 Uhr UTC, zum Vergrößern bitte anklicken. |